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Märkische Allgemeine
15. Februar 2010

Nichts für müde Schlossgeister

Möthlitzer Faschings Club feierte im Schlosssaal

Der Möthlitzer Faschings Club (MFC) hatte am Samstag zu seiner traditionellen Sitzung geladen. Sein treues und bunt kostümiertes Gefolge war gekommen, um zu schunkeln, zu lachen und zu schwofen .



Von Norbert Stein

MÖTHLITZ Die Geister im Ferienschloss Möthlitz kamen am Samstag nicht zur Ruhe – keine Chance. Im festlich geschmückten Saal ihres ehrwürdigen Domizils feierte das närrische Volk. Akteure und Publikum verschmolzen zu einer närrischen Gemeinschaft.

Wie schon in den Jahren zuvor verzichtete der MFC auch in diesem Jahr auf ein eigenes Prinzenpaar. Wie sich am Abend zeigen sollte, kann im Milower Land – zumindest im Karneval – jeder nach seiner Fasson regieren. Der MFC bewies, dass man auch mit begrenzten Mitteln ordentlich etwas auf die Beine stellen kann. Aus Personalmangel verzichtete man auch in diesem Jahr auf einen Elferrat. Dafür hatte der traditionelle MFC-Sechserrat alles bestens im Griff. An dessen Spitze steht Reinhard Ost. Trotz Krise lasse man sich beim MFC die Stimmung nicht vermiesen, verkündete der Präsident die Losung des Abends. Dazu verteilte er die ersten politischen Jeckenhiebe in Richtung Politik.

Den Reigen in der Bütt eröffnete MFC-Urgestein Ulrich Böhme. Seinen Rückblick auf 2009 nutze er zum politischen Rundumschlag – und nahm dabei vor allem den Berliner Politikbetrieb ins Visier. Auch wer nicht beliebt sei, mache von sich reden, resümierte er am närrischen Rednerpult und wurde vom Publikum nicht ohne Zugabe aus dem Saal gelassen.

Thomas Ost widmete sich mit spitzer Zuge dem europäischen Geschehen. In Brüssel beschäftige man sich mit allzu vielen Nebensächlichkeiten, und so befürchtet er, dass das europäische Glück einmal am „Schicksal der deutschen Nudel“ scheitern könnte. Mit Klaus Jüngling und Uschi Zeugner berichtete Ost im Anschluss über hoch brisante Themen wie Hebammenarbeit, Fußball und Katzen.

Nach einjähriger Abwesenheit stieg am Samstag auch der Bürgermeister Milower Land wieder in die Bütt. Nach spitzfindigen Ausflügen in Richtung Berlin und Potsdam widmete sich Peter Wittstock auch dem kommunalen Alltag. Als Nachrichtensprecher verkündete er, dass die Möthlitzer vergebens gegen Windmühlen kämpfen. Im Frühjahr werde auf dem neuen Radweg von Bahnitz nach Jerchel ein Rennen ausgetragen, verkündete er weiter. Der Sieger werde den „Goldenen Dieter“ erhalten. Auf den Letzten warte der „Schwarze Peter“.

Jutta Ost wischte als Putzfrau wieder einmal alle politischen Stuben durch. Dem Platzeck in Potsdam bescheinigte sie eine Vorliebe für „Kaiserschmarren“. Die Abwrackprämie sollte es nach ihrer Meinung weiter geben – aber nicht für alte Autos, sondern für unliebsam gewordene Ehemänner. Das Publikum erwiderte mit einem dreifachen „Alleewatschie Helau“ – dem MFC Schlachtruf.

Rebecka und Maria Schulzke brillierten, wie auch weitere Tänzerinnen, mit gekonnten Showeinlagen auf dem Parkett. Die Männer tanzten als „MFC-Sternchen“ und in unterschiedlichen Kostümierungen. Die MFC- Frauen schwebten in „Runde-Leder-Kostümen“ und mit Herz für den Fußball durch den Saal.

Und seit Samstagabend ist noch eines klar. In Möthlitz ist selbst in den Mülltonnen Musik. DJ Franke sorgte für die richtige musikalische Stimmung und Gerd Haberstroh brachte in gekonnter Weise wieder den ganzen Sal zum schunkeln.