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Märkische Allgemeine
23. Februar 2009

Möthlitzer Narren weckten alle Schlossgeister

Karneval Vom Allwatschi Helau blieb am Samstag in Milower Land niemand verschont / Feurige Tänze, Spaß und politische Satire

MÖTHLITZ In den nächsten Tagen könnten die Möthlitzer in ihrem Dorf einigen Grundstücksmaklern begegnen. Wenn es so sein sollte, haben sie es sich selbst zu zuschreiben. „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“, sangen sie am Samstag. Der Möthlitzer Faschings Club (MFC) hatte zu seiner Karnevalssitzung ins Schloss eingeladen. Mit ihrem Schlachtruf „Allewatschi Helau“ und einem abwechslungsreichen und mit vielen politischen Seitenhieben gespickten Programm weckten die Akteure sämtliche Schlossgeister. Das bunt kostümierte Publikum hatte Spaß, schunkelte und machte kräftig mit. Da hatte MFC-Präsident Reinhard Ost nicht zu viel versprochen, als er verkündete, dass es ein Abend voller Witz und Heiterkeit werden würde. Der Präsident selbst verteilte die ersten politischen Hiebe an Banker und Bundespolitiker. Aber er ließ auch die Nachbarn in Milow nicht verschont. „Denen ist anscheinend das Lachen vergangen“, meinte der Präsident. Das sei aus seiner Sicht die einzige Begründung, dass der MFC eine am Abend zuvor in Milow geplante Sitzung absetzen musste. Die Milower hatten keinen Bock auf Karneval, der MFC blieb im Vorverkauf auf den Eintrittskarten sitzen. Doch der Club und seine Anhängerschar behielten die gute Laune.


Maria Schulzke und Franziska Barzik brillierten als Funkenmariechen und die MFC-Tanzgruppe fegte über das Parkett und die Tanzmädchen aus Plaue ernteten ebenfalls viel Applaus. Mit Schunkelliedern brachte Gerhard Haberstroh die Stimmung an den Siedepunkt und zu guter letzt präsentierte sich das Männerballett mit einem Huttanz. Zuvor trat Ullrich Böhme als Fontane-Dichter in die Bütt’ und beklagte, dass Politiker immer mehr Steuergelder verzehren. Viel Beifall gab es für eine neue Fassung des „Erlkönig“-Gedichtes: Ein Vater reitet mit seinem Kind im Arm durch das Land Brandenburg und wird als Kassenpatient in Privatlinken abgewiesen wird oder bekommt keine Behandlung, weil er seine Chipkarte vergessen hat. Von einem „Rentner“ erfuhr das närrische Volk, dass es billiger wird seine letzten Tage auf einem Luxusschiff zu verleben anstatt in ein Altersheim zu gehen.


Außerdem präsentierte der MFC wieder seine traditionelle „Tagesschau“. Allerdings war der Nachrichtensprecher der vergangenen Jahre, Peter Wittstock, nicht mehr dabei. Dafür stand an der Seite von Klaus Jüngling als neue Nachrichtensprecherin Uschi Zeugner. Ölpreise, Bankenkrise und Brandenburgisches Landtagsluftschloss waren die Themen. Und wie bei jeder ordentlichen Tagesschau gab es auch hier zum Schluss die Wettervorhersage: „Übers Milower Land ziehen weiter dunkle Wolken. Ein Aufklaren ist erst Ende März zu erwarten“. So verkündeten es die MFC-Nachrichtensprecher.


Als Putzfrau plauderte Jutta Ost aus ihren Erlebnissen in Amtsstuben. Wenn die Chefs aus dem Haus sind, regiere der Verstand, habe ihr eine Sekretärin erzählt, so die Putzfrau. Und Bahnitz, so wusste die Putzfrau ebenso, werde nun Garnisonsdorf werden. Einen General(sekretär) habe man dort schon. Vom närrischen Möthlitzer Volk wurde sie erst nach zwei Zugaben aus der Bütt’ entlassen. ns