zurück zum Hauptmenü

Märkische Allgemeine
18. November 2006

Windschutz und neue Vogel-Heimat

An Feldern bei Bahnitz und Möthlitz werden mehr als 1500 Bäume gepflanzt / Neuntöter könnte sich ansiedeln

HENNING HEINE

BAHNITZ/MÖTHLITZ Ein kilometerlanger Baum-Saum soll künftig die Äcker bei Bahnitz und Möthlitz vor Erosion schützen. Gut 1540 Obstbäume und Linden werden in den nächsten Wochen entlang mehrerer Wege zwischen den Dörfern gepflanzt. Bis zum Jahresende sollen die Setzlinge auf einer Gesamtlänge von etwa sieben Kilometern in der Erde sein. Das "Heckenprojekt" kostet insgesamt rund 200 000 Euro und wird komplett mit Fördergeldern der EU und des brandenburgischen Naturschutzfonds finanziert.

Ein wilder Birnbaum machte am Donnerstag den Anfang. Symbolisch brachten ihn die Ortsbürgermeisterinnen Petra Dombrowski (Bahnitz) und Nortrud Gobel (Möthlitz) an einem Weg bei Bahnitz in den Boden. Dort sind bereits im Abstand von gut vier bis sechs Metern dutzende Löcher ausgehoben. "Wir schützen die Äcker gegen Winderosion", sagte Dombrowski. Immer wieder sei zu beobachten, dass die Böden durch den Westwind in der Gegend abgetragen würden – der Acker liegt in der Luft, wie der Bauer sagt. "Richtung Bahnitz ist links und rechts alles unterwegs", bestätigte Gobel.

Die ohnehin leichten märkischen Böden seien durch Trockenheit, sinkende Grundwasserspiegel und zu tiefe Meliorationsgräben zunehmend von Erosion bedroht, sagte auch der Radeweger Umweltplaner Hermann Wiesing: "Die Flächen sind leergeräumt." Im Windschatten der bis zu sechs Meter hohen Bäume sei auf den Äckern mit Ertragssteigerungen zu rechnen.

Eine Baumschule aus Marzahne (Potsdam-Mittelmark) setzt nun am Bahnitzer Weg und dem Birkenwäldchen auf Bahnitzer Gebiet sowie an Nitzahner und Krummathenweg in Möthlitz überwiegend wilde Apfel- und Birnbäume sowie Süßkirschen und Mehlbeere. Zudem soll in Bahnitz hinunter zur Schleuse eine Lindenallee entstehen. In zwei bis drei Wochen würden die Pflanzungen abgeschlossen sein, sagte Firmenchef Lars Pekrul. Sein Zehn-Mann-Betrieb setzte sich bei der bundesweiten Ausschreibung für das Hecken-Vorhaben gegen mehr als 15 Konkurrenten durch.
Die Baumreihen sollen aber nicht nur als Windschutz dienen. Sie würden zugleich für ein gelungeneres Landschaftsbild sorgen und Unterschlupf für Kleintiere bieten, sagte Dombrowski. Dazu könnte etwa der Neuntöter gehören, ein possierlich aussehender Sperling mit Killerinstinkt. Der Vogel fängt sich Käfer, andere große Insekten und mitunter auch junge Mäuse, spießt sie an Dornen, Stacheln oder Stacheldrahtzäunen auf und würgt sie hinunter – weshalb er auch die Namen Dorndreher und Rotrückenwürger trägt. Büsche und Hecken dienen ihm als Neststandort. Auch die Wiederansiedlung von Rebhühnern sei denkbar, sagte Planer Wiesing.

Der Gemeinde Milower Land entstünden durch das Heckenprojekt keine Kosten, betonte Dombrowski. Laut Planer Wiesing sind auch keine Folgekosten zu befürchten, da bei Wildobstbäumen kein Beschnitt erforderlich sei. Die Baumschule garantiere neben fünf Wässerungen pro Jahr auch den Austausch kranker Pflanzen. "Wir werden auch in drei Jahren noch alle Bäume haben."

Bei Landwirten und Flureignern hatte im Vorfeld Skepsis angesichts der Heckenpläne geherrscht, da sie für das Projekt bis zu 15 Meter breite Streifen von ihren Flächen abtreten sollten und dadurch Einnahmeausfälle befürchteten. Aufgrund geänderter EU-Vorschriften würden Baumflächen seit 2005 aber mitgefördert, sagte Wiesing. In mehreren Gesprächsrunden mit Planern und Gemeinde konnte somit Einigkeit erzielt werden. Laut dem Planer wurden sogar einige zusätzliche Wege in den Pflanzplan aufgenommen, dafür fielen andere weg – etwa der Weg zur Havel und rund um die Rinderzuchtanlage in Möthlitz.